Fahrzeuge im Justizvollzug - oder - wann haben wir das erste H-Kennzeichen auf einem GTW?
Hömma, neulich musste ich aufgrund von Personalengpässen im Fahrdienst aushelfen. Is ja kein Ding, bin ja im allgemeinen Vollzuchsdienst tätig und somit universell einsetzbar.
Da juckel ich so mit unserem Gefangenentransportfahrzeug (GTW) zum Gericht und im Armaturenbrett ist voll Kirmes. Sämtliche Warnlampen am Leuchten und so richtig gut hört sich der Motor auch nich an. Sacht der Kollege dat is normal, is halt ein altes Fahrzeug mit 300.000 km aufm Tacho. Dat neue Auto is bestellt. Abba dat dauert ewig. Unglaublich dachte ich mir, abba dat is echt die Realität im Justizvollzuch NRW. In der Woche Fahrdienst bin ich ja gut rumgekommen und hab mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Anstalten gequatscht. Dat Problem kennen se alle dat die bestellten Neufahrzeuge ewig nich in den Anstalten ankommen. Da passt et ja auch gut ins Bild, dat im Juli 2025 unser Minister der Justiz des Landes Nordrhein-Westfalen, Dr. Benjamin Limbach, in der Presse mitteilte, dat jetz elektrisch betriebene Gefangenentransportwagen angeschafft werden. Im Rahmen eines Pilotprojekts sollen laut Justizministerium zunächst zwei Fahrzeuge in den Justizvollzugsanstalten Aachen und Bochum zum Einsatz kommen, um entsprechende Erfahrungen im Echtbetrieb zu sammeln.
Abba niemand weiß wann die denn jetz in den beiden genannten Anstalten ankommen. Bis jetz is auf jeden Fall in Bochum und Aachen noch kein elektrisch betreibener GTW gesehn worden.
Für mich klingt dat langsam nach blankem Hohn. Fahrzeuge, welche bereits im Jahr 2023 und 2024 ausgeschrieben waren, stehen bei Aufbauherstellern auf dem Hof und sind den Anstalten zugewiesen. Teilweise waren Fahrzeuge nicht auffindbar und
klare Aussagen sind Mangelware genau wie fahrbereite Autos.
Zwischenzeitlich gab et nach langer Suche Licht am Ende des Tunnels und einige Fahrzeuge sind wieder aufgetaucht. Doch hatte man sich zu früh gefreut. Die Vergitterung muss noch in einer JVA eingebaut werden; wenn et nur dat wäre!
Undichtigkeiten am Blaulichtbalken, nicht ausgeführte technische Umsetzungen an der Radio-/Freisprecheinrichtung, Sitze, die so hoch sind, dass kein Gefangener mit einer Körpergröße über 1,80m transportiert werden kann und zu guter Letzt eine Trennwand zum Fahrerraum, durch die der Gefangene an der Seite durchgreifen kann.
Derweil juckeln unsere Bediensteten mit Fahrzeugen aus dem Jahr 2010 oder älter mit über 300000 Kilometern Laufleistung durch dat Land und müssen hoffen, dat die pannenfrei ihr Ziel erreichen.
Man stelle sich vor, ein psychisch auffälliger oder besonders gefährlicher Gefangener wird von Kolleginnen und Kollegen in Körperschutzausstattung durch dat Land transportiert und der GTW bleibt auf der Autobahn liegen. Der Bild-Leser-Reporter hätte mit Sicherheit spass. Auch die Videos der vorbeifahrenden kannse dir dann schön auf TikTok und Insta angucken.
Nun ja, et gibt halt immer wat neues im Vollzuch wo man mit offenem Mund nur am staunen dran is. Abba wie heißt et so schön, am Ende wird alles gut.
Grüße aus dem Nirgendwo
Euer Ingo
