Einordnung zum Tarifabschluss TV-L
Der Tarifabschluss liegt vor. Nach intensiven und schwierigen Verhandlungen steht nun ein Ergebnis.
Unsere Forderung lag bei sieben Prozent beziehungsweise mindestens 300 Euro bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.
Dieses Ziel wurde nicht erreicht.
Vereinbart wurden insgesamt 5,8 Prozent in drei Stufen bei einer Laufzeit von 27 Monaten – bei mehreren Nullmonaten zuvor. Das ist aus unserer Sicht der kritische Punkt dieses Abschlusses. Eine so lange Laufzeit bindet die Beschäftigten über einen langen Zeitraum, obwohl wirtschaftliche Entwicklungen nur begrenzt planbar sind.
Der Einstieg mit 2,8 Prozent ab April 2026, mindestens 100 Euro, ist solide. Besonders in unteren Entgeltgruppen wirkt der Mindestbetrag spürbar. Die weiteren 2 Prozent und 1 Prozent verteilen sich jedoch über eine lange Zeitachse. In der Gesamtschau bewegt sich das Ergebnis etwa im Bereich der Inflationsentwicklung.
Es gibt reale Einkommenssteigerungen – aber keinen deutlichen Vorsprung.Positiv ist, dass es gelungen ist, strukturelle Verschlechterungen zu verhindern. Die Arbeitgeber wollten tarifliche Spielräume schaffen, die Herabgruppierungen ermöglicht hätten. Das hätte für viele Kolleginnen und Kollegen spürbare Einbußen bedeutet. Diese Grenze wurde nicht überschritten.
Unsere Bewertung, dieser Abschluss ist kein Durchbruch.
Er ist aber auch kein Rückschritt. Prozentual wurde das Niveau des TVöD erreicht. Strukturell bleibt dennoch Luft nach oben. Angesichts steigender Arbeitsbelastung, zunehmender Anforderungen und Fachkräftemangel wäre ein stärkeres Signal der Länder wünschenswert gewesen. Tarifverhandlungen spiegeln immer das Kräfteverhältnis am Tisch wider.
Mehr Durchsetzungskraft entsteht nicht durch Kommentare bei Facebook oder Instagram, sondern durch Organisation und Beteiligung.
Kritik ist legitim
Tarifpolitik ist Machtpolitik. Macht entsteht nicht allein am Verhandlungstisch, sondern durch sichtbare Geschlossenheit und Entschlossenheit der Beschäftigten. Ohne breite Beteiligung an Aktionen, Warnstreiks und solidarischen Maßnahmen wird es in künftigen Verhandlungen kaum möglich sein, spürbar bessere Ergebnisse durchzusetzen. Wer jetzt enttäuscht ist, sollte diese Enttäuschung nicht in Rückzug verwandeln, sondern in Engagement. Eine starke Organisation ist kein Selbstzweck – sie ist die Voraussetzung für Durchsetzungskraft. Je stärker wir sind, desto stärker ist unsere Position.
Zur Übertragung auf den Beamtenbereich
Für Nordrhein-Westfalen hat Ministerpräsident Hendrik Wüst die zeit- und wirkungsgleiche Übertragung des Tarifergebnisses zugesagt. Diese Zusage ist kein Automatismus, sondern das Ergebnis intensiver Gespräche und klarer Erwartungen im Vorfeld der Tarifrunde. Ein Blick in andere Bundesländer zeigt, dass eine Übertragung keineswegs selbstverständlich ist. In Bayern wurde bereits angekündigt, die Anpassung zeitlich verzögert vorzunehmen. Das unterstreicht: Eine Übertragung erfolgt nicht automatisch, sondern ist eine politische Entscheidung. In Nordrhein-Westfalen nehmen wir die gegebene Zusage ernst und gehen davon aus, dass sie vollständig und ohne Verzögerung umgesetzt wird.
Ausblick
Die nächste Verhandlungsrunde kommt. Wenn die Länder dauerhaft attraktiv werden wollen, müssen sie künftig mehr liefern – nicht nur prozentual, sondern auch strukturell.
Dank
Ein besonderer Dank gilt den rund 400 Vollzugskolleginnen und -kollegen, die in Düsseldorf Präsenz gezeigt haben. Diese Geschlossenheit war kein Symbol, sondern ein Teil unserer Verhandlungsstärke.
#voneuchfüreuchmiteuch
