Bei einem Arzttermin in der Essener Innenstadt sind am Mittwoch zwei Justizvollzugsbedienstete von Unbekannten überwältigt und gefesselt worden. Ein Gefangener konnte fliehen. Nach den bisherigen Informationen blieben die Kollegen körperlich unverletzt.
„Das ist zunächst eine große Erleichterung. Trotzdem ist ein solcher Überfall ein Erlebnis, das man nicht einfach abschüttelt. Wir wünschen den betroffenen Kollegen, dass sie das Geschehene gut verarbeiten können und bald wieder zur Ruhe kommen. Sie können auf die Unterstützung ihrer Kolleginnen und Kollegen zählen“, sagt Horst Butschinek, Landesvorsitzender des BSBD NRW.
Zu den Einzelheiten des Überfalls und möglichen Versäumnissen äußert sich der BSBD NRW derzeit nicht. Der Vorfall ist Gegenstand der Ermittlungen. Wichtig ist, die Abläufe sorgfältig zu betrachten und die betroffenen Beschäftigten zu unterstützen.
Gefangene müssen zu Arztterminen außerhalb einer Justizvollzugsanstalt gebracht werden, wenn eine erforderliche Untersuchung oder Behandlung dort nicht möglich ist. Das ist nicht ungewöhnlich: Auch außerhalb der Haft kann eine hausärztliche Praxis an einen Facharzt oder eine Klinik überweisen. Die medizinische Versorgung endet nicht an den Gefängnismauern.
Für solche Termine gelten Sicherheitsvorgaben. Termine werden den Gefangenen grundsätzlich erst kurzfristig mitgeteilt. Welche Begleitung und Sicherung im Einzelfall erforderlich sind, hängt von der jeweiligen Lage ab.
„Ich bin seit mehr als 30 Jahren im Justizvollzug tätig und kann mich an einen vergleichbaren Fall nicht erinnern. Bei rund 14.000 Gefangenen finden täglich zahlreiche Ausführungen statt. Die allermeisten verlaufen ohne besondere Vorkommnisse und bleiben deshalb zu Recht außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung“, so Butschinek.
Eine hundertprozentige Sicherheit kann es nicht geben. Gewaltsame Gefangenenbefreiungen wie in Essen sind jedoch sehr selten. Der BSBD NRW wird die weitere Aufarbeitung aufmerksam verfolgen.
BSBD NRW
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