Die im ruhigen Ostwestfalen liegende JVA Bielefeld-Senne ist eine Einrichtung des offenen Vollzuges. Mit 1.490 Haftplätzen ist sie die derzeit größte Anstalt des offenen Vollzugs in Europa.
Bestehend aus 2 Hafthäusern und 14 zum Teil weit auseinanderliegenden Außenstellen, ist die JVA Bielefeld Senne im Bundesgebiet eine Rarität in der Vollzugslandschaft und in der Lage, im Rahmen einer in langjähriger Erfahrung entwickelten Binnendifferenzierung, individuell und zielgruppengenau auf die Problemlagen der sehr unterschiedlichen Gruppen von Inhaftierten einzugehen.
Hierbei zeigt sich immer wieder, dass sich die Außenstellen als kleinere Einheiten mit ihren Teams gut in örtliche Gegebenheiten einfügen können, Teil des kommunalen Lebens sind, und daher über eine hohe Akzeptanz in den jeweiligen Ortsgemeinschaften verfügen.
In der JVA Bielefeld Senne ist ein derzeit 420 Personen umfassendes interdisziplinäres Team aus Juristen, Pädagogen, Bediensteten der Verwaltung und des allgemeinen Vollzugsdienstes, Sozialarbeitern, Ergotherapeuten, Ärzten, Krankenpflegern, Suchtberatern, Psychiatern, Psychologen und Psychotherapeuten tätig, um die Vorgaben des Strafvollzugsgesetz NRW tagtäglich an den 16 Standorten umzusetzen.
Die Struktur der JVA Bielefeld-Senne findet im Hinblick auf die dezentrale Binnendifferenzierung in der Vollzugswelt europaweit Beachtung und Anerkennung. Regelmäßige Besuche ausländischer Delegationen spiegeln dieses Interesse wider.
Intern betrachtet man aus fachlicher Perspektive nicht ohne Stolz die eigene Einrichtung als Zukunftsmodell für den modernen offenen Justizvollzug in Europa.
Hafthaus Ummeln:
Im Hafthaus Ummeln als zentralem vollzuglichen Ausgangspunkt stellen sich verurteilte Bürger mit einer Ladung zum Strafantritt, Inhaftierte des geschlossenen Vollzuges werden nach einer positiven Progressionsprüfung hierher verlegt, oder Bürger werden durch die Polizei im Rahmen einer Festnahme zugeführt. Im Hafthaus Ummeln findet ein qualifiziertes Zugangsverfahren statt, um individuelle Problemlagen der Inhaftierten sowie die jeweiligen Behandlungsbedarfe festzustellen. Im Anschluss erfolgt die zielgenaue Zuweisung zu einer spezialisierten Abteilung in den Hafthäusern oder in einer Außenstelle.
Daneben verfügt der große Haftbereich des Hafthauses Ummeln über Abteilungen wie die „Abteilung für Abstinenzorietierung“ oder die „Abteilung für verhaltensauffällige“ Gefangene. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Integration durch Vermittlung der deutschen Sprache sowie von Werten und Normen der hiesigen Gesellschaft.
Inhaftierte, die über ausreichende Lockerungen verfügen, können sich auf dem eingefriedeten Anstaltsgelände zu festgelegten Zeiten frei bewegen und in Betrieben, wie z.B. der Arbeitstherapie Holz an eine regelmäßige Tagesstruktur herangeführt werden.
In einem separaten Bereich, an das Hafthaus angrenzend, befindet sich ein Bereich für weibliche Inhaftierte. Hier sind neben dem Zugangs- und Abgangsbereich, Haftplätze für psychisch auffällige Frauen vorhanden sowie Haftplätze für weibliche Jugendliche. Ebenso werden weibliche Inhaftierte mit einem Bedarf an eine enge medizinische Anbindung hier untergebracht.
Hafthaus Senne:
Das Hafthaus Senne ist Hauptsitz der Verwaltung der JVA Bielefeld-Senne sowie logistischer Dienstleister mit den Bereichen der Zentralkammer, der Küche und dem Fahrdienst.
Das Hafthaus Senne verfügt daneben über einen Haftbereich mit 131 Haftplätzen. Hier ist unter anderem die Abteilung für lebensältere Gefangene angesiedelt sowie verschiedene Betriebe wie eine Klempnerei, eine Tischlerei, eine Gärtnerei, eine Schlosserei und eine Elektrowerkstatt.
AS Beckum:
Die Außenstelle Beckum verfügt über 87 Haftplätze. Der Schwerpunkt dieser Außenstelle liegt darin, förderungswürdige Arbeitsplätze im Rahmen von freien Beschäftigungsverhältnissen zu erhalten oder neu zu begründen. Ziel ist es, Inhaftierte für die Zeit nach der Entlassung bestmöglich in den Arbeitsmarkt einzugliedern.
AS Boke:
Die Außenstelle Boke ist anerkannte Sozialtherapeutische Abteilung und bietet geeigneten Inhaftierten ein intensives Behandlungsprogramm nach dem Landeskonzept Sotha-NRW.
AS Brockhagen:
Die Außenstelle Brockhagen verfügt über 86 Haftplätze und ist spezialisiert auf den Umgang mit substanzgebundenen Süchten. Auch die Vermittlung in Therapieeinrichtungen gem. § 35 BtMG sowie die Vorbereitung auf diese Therapien sind hier möglich.
AS Clarholz:
Die Außenstelle Clarholz verfügt über 59 Haftplätze und ist eine von zwei Außenstellen, in der vorwiegend junge erwachsene Inhaftierte untergebracht sind. Hier findet im Rahmen von Jungtäterprojekten eine speziell auf diese Klientel ausgerichtete Behandlung statt. Ein Schwerpunkt dieser Außenstelle liegt in der Vermittlung von interkultureller Kompetenz. Es findet regelmäßig der „Trialog der Religionen“ statt, welcher in Zusammenarbeit mit der jüdischen Gemeinde, der Kirche sowie einer Moscheegemeinde junge und oftmals auch teilradikalisierte Inhaftierte an ein weltoffenes Menschenbild heranführt. Auch die Zeit des Nationalsozialismus wird thematisiert.
AS Espeln:
Die Außenstelle Espeln verfügt über 84 Haftplätze. In der AS Espeln wird mit dem Behandlungsprogramm GiB zielgenau an der Problematik der häuslichen Gewalt und an Gewalt in Beziehungen gearbeitet. In diesem Kontext wird ergänzend in Zusammenarbeit mit der Suchtberatung und freien Trägern an Drogen- und Alkoholproblematiken gearbeitet, auch eine regelmäßige Schuldnerberatung wird angeboten.
AS Gröblingen:
Die AS Gröblingen verfügt über 64 Haftplätze. Hier können Inhaftierte aus dem Raum Münsterland heimatnah untergebracht werden. Neben der Wahrnehmung von freien Beschäftigungsverhältnissen haben hier Inhaftierte die Möglichkeit, in ortsansässigen Betrieben und Unternehmen einer Arbeitstätigkeit nachzugehen und den Übergang in den ersten Arbeitsmarkt zu bewältigen.
AS Herzebrock:
Die AS Herzebrock verfügt über 96 Haftplätze. Die Spezialisierung der AS Herzebrock liegt in der Bewältigung der Glücksspielsucht sowie der Schuldenregulierung. Hierzu gibt es eine Kooperationsvereinbarung mit der Bernhard Salzmann Klinik in Gütersloh. Des Weiteren findet sich ein Bereich für Inhaftierte, die zukünftig rauchfrei leben möchten. Hier werden gesonderte unterstützende Maßnahmen angeboten.
AS Nordhagen:
Die AS Nordhagen verfügt über 81 Haftplätze. Hier werden vor allem Inhaftierte mit Ersatzfreiheitsstrafen untergebracht. Diese erhalten die Möglichkeit, bei einer Vielzahl von geprüften Betrieben tagsüber einer Beschäftigung nachzugehen, um die Forderung der Ersatzfreiheitsstrafe bedienen zu können und damit die Haftzeiten aktiv zu reduzieren.
AS Oelde:
Die AS Oelde ist einer von drei Bereichen für weibliche Inhaftierte in der JVA Bielefeld Senne und verfügt über 50 Haftplätze. Der Schwerpunkt liegt im Bereich der Bewältigung von substanzgebundenen Süchten, der psychosozialen Betreuung und der Therapievermittlung gem. § 35 BtMG. Eine Schuldnerberatung, Frauenstärkungsseminare, die Programme „Kinder im Blick“ und „stark sein als Mutter“ sowie soziales Training ergänzen die Behandlungsangebote.
AS Pavenstädt:
Die AS Pavenstädt verfügt über 72 Haftplätze. In der AS Pavenstädt werden geeignete Sexualstraftäter untergebracht und u.a. mit dem Behandlungsprogramm BPS-R nach Wischka, Rehder und Foppe speziell behandelt.
AS Rietberg:
Die AS Rietberg verfügt über 75 Haftplätze. In dieser AS werden ca. 45 Inhaftierte substituiert. Die Inhaftierten erhalten neben therapeutischen und beratenden Ansätzen die Möglichkeit, zunächst mit einfachen Tätigkeiten wie Haftraumarbeit und später mit der Beschäftigung bei ortsansässigen Betrieben, ihre Tagesstruktur und Belastbarkeit unter dem Substitut zu festigen und auszubauen.
AS Steinhagen:
Die AS Steinhagen ist eine Außenstelle mit 50 Haftplätzen für inhaftierte Frauen. Im Vordergrund steht hier der familiensensible Justizvollzug. Besonderes Augenmerk wird auf die Aufrechterhaltung von förderungswürdigen sozialen Bindungen insbesondere zu den eigenen Kindern gelegt. Das Team der Außenstelle arbeitet gemeinsam mit den inhaftierten Frauen und oftmals unter Beteiligung von freien Trägern und Jugendämtern an einem stabilen sozialen Gefüge und einer positiven Legalprognose. Es wird eine vor Ort befindliche Arbeitstherapie angeboten, zusätzlich gibt es bei Bedarf Kurse zur Verhaltensstabilisierung im Rahmen des sozialen Trainings.
AS Verl:
Die AS Verl ist die zweite von zwei Außenstellen speziell für die Behandlung von jungen männlichen Inhaftierten und verfügt über 58 Haftplätze. Die Außenstelle bietet ein umfangreiches für die Klientel zugeschnittenes Behandlungsprogramm und nimmt am Jungtäterprojekt teil. Insbesondere die schulische und berufliche Integration durch Kooperationen mit der Uni Bielefeld oder der Kolpingschule Gütersloh bilden einen weiteren Schwerpunkt.
AS Westkirchen:
Die AS Westkirchen verfügt über 65 Haftplätze. Der Schwerpunkt liegt hier beim Erhalt von vorhandenen Arbeitsstellen oder in der Gründung von neuen freien Beschäftigungsverhältnissen. Die Inhaftierten der Außenstelle treten regelmäßig im Rahmen eines organisierten aber ehrenamtlichen Engagements in der Region positiv damit in Erscheinung, dass diese in ihrer „Freizeit“ Parks und Spielplätze von Kindertagesstätten reinigen, sanieren oder neu angelegen.