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In 2022 war die Zahl der Suizide in den NRW-Vollzugseinrichtungen r√ľckl√§ufig

Die Zahl der Selbstt√∂tungen ist f√ľr die interessierte √Ėffentlich immer von besonderem Interesse. Relativ vorschnell wird diese Zahl zum Gradmesser f√ľr die Qualit√§t der Behandlungsma√ünahmen in dem jeweils betroffenen Bundesland gemacht.

Und wer wollte es bestreiten, es gibt im Strafvollzug, obwohl die gesetzliche Basis des Vollzuges weitgehend deckungsgleich ist, durchaus Gestaltungsunterschiede. Bei den Selbstt√∂tungen sind aber meist Gr√ľnde ma√ügebend, die sich durch den Vollzug nur schwer beeinflu√üen lassen, weil sie √ľberwiegend dem pers√∂nlichen Bereich und der jeweiligen Pers√∂nlichkeitsstruktur zuzurechnen sind.

Suizide sind immer pers√∂nliche Trag√∂dien, die besonders schwer f√ľr die Angeh√∂rigen zu verarbeiten sind. Obwohl die Suzidprophylaxe in den zur√ľckliegenden Jahren immer weiter ausgebaut worden ist, lassen sich Selbstt√∂tungen nicht g√§nzlich verhindern. Die Prophylaxe muss n√§mlich immer auch die Menschenw√ľrde im Blick behalten. Unausgesetzte Kontrollen und √úberwachungen w√§ren inhuman und deshalb unzul√§ssig.

Zwar sind die Selbstt√∂tungsraten im Strafvollzug deutlich h√∂her als in Freiheit, doch ist zu ber√ľcksichtigen, dass sich inhaftierte Menschen regelm√§√üig in pers√∂nlichen Krisen- und damit Ausnahmesituationen befinden. F√ľr den ein oder anderen ist wom√∂glich gerade die bisherige Existenz zusammengebrochen und er sieht sich subjektiv in einer ausweglosen Lage.

Zu Beginn der Inhaftierung h√§lt der Vollzug eine Reihe von St√ľtzungs- und Prognosema√ünahmen bereit, um Suizidgef√§hrdungen m√∂glichst schnell und sicher zu erkennen und die Pers√∂nlichkeit der Betroffenen m√∂glichst zu stabilisieren. Diese Ma√ünahmen werden sehr akribisch durchgef√ľhrt, weil es auch f√ľr Vollzugsbedienstete traumatisierend ist, beim morgentlichen Aufschluss auf einen verstorbenen Gefangenen zu treffen.

G√ľnstigstenfalls sind die Ergebnisse dann so positiv wie 2022, als lediglich zw√∂lf Gefangene durch eigene Hand in den NRW-Gef√§ngnissen starben. Ein Jahr zuvor waren es noch f√ľnfzehn Todesf√§lle gewesen. Ein signifikanter Anstieg war 2020 zu verzeichnen, als die Suizidrate von 11 F√§llen in 2019 auf 23 Selbstt√∂tungen gesprungen war.

F√ľr diese au√üerordentliche Entwicklung wurden seinerzeit die pandemiebedingten Einschr√§nkungen und Quarant√§nema√ünahmen als Ursachen ausgemacht, was durch die Inhaftierten weitgehend best√§tigt worden ist. Die Zeit der Pandemie mit ihren Besuchsverboten und gestrichenen Lockerungen sei psychisch √ľberaus belastend gewesen.

Friedhelm Sanker